Vü weni is a da meni

 

 

Zu Wochenbeginn rief mich Herr Morawek vom ORF NÖ an. Er fragte, ob er mit seinem Team am Freitag zu mir ins Atelier kommen können, um mich bei der Arbeit zu filmen. Er möchte meinen seltenen Beruf in der Sendung „Aufgspürt“ vorstellen. Ich war überrascht und gleichzeitig fühlte ich mich geehrt. Er versprach mir sich noch einmal zu melden, um den Termin zu fixieren. Ich freute mich schon sehr und hoffte, dass dieses Ereignis auch Wirklichkeit wird.

 

Am Mittwoch war es dann soweit. Er bestätigte mir den Freitagtermin und kündigte sich für ca. 13 Uhr an. „Wir haben vorher schon einen Dreh. Da könnte es evt. früher werden. Es ist auch möglich, dass es länger dauert und wir kommen um 14 Uhr – ist das schlimm?“, meinte Herr Morawek. „Won´s kemmts seid´s do! I bin eh do.“, so meine Antwort.

 

Ich telefonierte im Anschluss mit meiner Tochter Daniela, ob sie mir bei der „Generalreinigung“ des Atelier hilft. Auch Nicole, die Freundin meines Sohnes Stefan, fragte ich. So schaute ich gelassen dem Freitag entgegen, da die beiden Mädels ihre Mithilfe zusagten.

 

Interessanter Weise wird es dann doch immer „eng“. Daniela putzte am Freitag Vormittag noch die Fenster und dekorierte alles mit Frühlingsschmuck. Ich suchte noch meine selbst bemalten Ostereier und schmückte einen Strauß Palmkätzchen mit ihnen. Danach zog ich mich um und frisierte meine Haare.

 

Ring!!!!!!!!! Das Telefon.

 

„Frau Eder, wir kommen schon früher“, so Herr Morawek,“ in ca. 15 Minuten. Wir sind schon unterwegs“.

 

„Ja,passt“, sagte ich. „Ich bin gerade fertig geworden.“

 

Und wirklich, wenige Minuten später hielten zwei Auto vor dem Atelier. Dem Einen entstiegen zwei Herren und nach einigen Minuten stieg aus dem anderen Auto eine Dame. Mein Gesicht erhellte sich, als ich Kristina Springer sah. Sie ist eine sehr sympathische, herzliche Frau. Die drei kamen auf mich zu und informierten mich, dass sie noch auf Herrn Morawek warten. Wir gingen in der Zwischenzeit ins Atelier und wir duzten uns alle gleich. Sie schauten sich meine Werke an und es freute mich, dass Kristina so begeistert von meinen Kunstwerken war. Sie erklärte spontan, dass sie da einige Stücke mitnehmen will.

 

In der Zwischenzeit kam auch Robert, Herr Morawek bot mir auch sein Du-Wort an. Ich brühte uns Kaffee auf und Robert, Kristina, der Kameramann und der Licht- und Tontechniker überlegten gemeinsam, wie sie den Dreh aufbauen. Sie entwarfen vor Ort in meinem Atelier das Drehbuch!! Es interessierte mich sehr, wie sie das entwickelten. Wie sie sich gegenseitig inspirierten und so zügig zu einem Ablauf fanden.

 

Nachdem wir Kaffee getrunken hatten, starteten wir mit den Aufnahmen. Das Mikrofon wurde vom Techniker an meiner Jacke fixiert und danach führten wir schon Probegespräche. Gleichzeitig regulierte er die Lautstärke der Aufnahme.

 

Und los ging es!

 

Ich erhielt eine kurze Erklärung, wie sie sich die Szene vorstellten und Kristina stellte mir Fragen und verband die einzelnen Teile mit viel Geschick und Wortgewandtheit. Zu meiner Überraschung fand sie, wenn eine Einstellung von einer anderen Stelle gefilmt wurde, fast immer die selben Worte, obwohl wir immer frei sprachen. Sie steckte mich mit ihrer Lockerheit förmlich an und ich plauderte mit ihr über die verschiedenen Teeglasmotive und über deren Geschichte.

 

Sie half mir wirklich mit ihrer freundlichen Art und Robert gab mir nie das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben. Das verlieh mir eine Gelassenheit, die ich an mir nicht kannte. Normalerweise sehe ich eine Kamera (egal ob Handy oder Filmkamera) und ich verkrampfe mich und gleichzeitig setze mein verzwicktes, verklemmtes Lächeln auf.

 

Bei den Emaille Geschirr klappte es schon wesentlich schneller. Kristina, sie ist gebürtige Tirolerin, waren etliche Mundartausdrücke fremd und bat mich sie ihr zu erklären. In Tirol kennt kaum jemand ein „Fozhäferl“. Sie kennt es unter der Bezeichnung “Schnabelhäferl“ und der Ausspruch „Vü weni is a da meni“, bedurfte der Erklärung. „Wer viel von wenig hat – hat auch etwas das ihm gehört.“

 

Danach nahm ich am Schreibtisch Platz, um eine Maltechnik zu präsentieren. Das beherrsche ich, denn wenn eine Busgruppe mein Atelier besichtigt, zeige ich immer wirkungsvoll einige Malereien. Danach drehten sie sogar einen kleinen Teil beim Brennofen. Robert ersuchte mich, als er kam, ob ich den Ofen in Betrieb nehmen kann, damit man dann sieht, wie es im Ofen aussieht. Und wirklich – der Ofen hatte in dieser kurzen Zeit schon eine herrliche „Rotglut“ und so bekamen sie einige interessante Aufnahmen. Bei der Abschlussszene sprach Kristina zwei unterschiedliche Varianten, denn sie senden den Beitrag vor Ostern. Wenn aber aus welchen Gründen immer, im Programmablauf eine Änderung notwendig ist, filmten sie auch einen Schluss, den sie auch nach Ostern ausstrahlen können.

 

Zu guter Letzt, und das macht mich sehr glücklich, erstanden sie einige Stücke aus meiner umfangreichen Vielfalt meiner Handwerkskunst.

 

Resümee - Ich fühle mich rundherum zufrieden, wohl und müde. - Ein gutes Feeling!